Tag 11 / Wüstentour und Beduinen ganz privat.


Für den heutigen Sonntag haben wir bei Mohammed eine Wüstensafari mit Jeep gebucht. Es ging erst am Mittag los und wir konnten ausschlafen.
Beim Aufwachen ging es mir besser. Die Kälte war weg, aber es fing der typische Sonnenbrand-Schmerz an. Na das kann ja was werden. Erfreut war ich ja verständlicherweise nicht, aber ändern konnte ich es auch nicht mehr.
Ich entschied mich heute für eine lange Hose und ein T-Shirt. Meine Beine sahen ja auch nicht anders aus als mein Rücken.
Also gingen wir zum Frühstück und nutzten es ausgiebig und blieben auch lange. Danach etwas Entspannung im Zimmer und schon gehts los.
An der Rezeption sollten wir abgeholt werden und (erstaunlicherweise) pünktlich erschien ein Jeep. Wir fuhren schnell noch zum El Gouna Mövenpick und holten dort ein Ehepaar ab und dann gings wieder zum Palm Beach Hotel. Dort wartete noch ein Jeep und es ging zügig weiter.
Ruckzuck waren wir in der Wüste. Dort machten sich auch gleich die Nachteile meines Sonnenbrandes bemerkbar. Es wackelte schrecklich, anscheinend gab es gar keine Federung und bei jedem kleinsten Hügelchen rieb mein Rücken an der Innenwand. Sowas tut richtig weh.
Deswegen war ich auch sehr dankbar für die Pause. Wir hielten auf einer kleinen Anhöhe und so konnten wir schon mal einen tollen Ausblick in die Wüste haben. Weit und breit war kein Leben zu sehen, kein Haus und keine Zivilisation. Und wenn die mitfahrenden Gäste nicht so viel gequatscht hätten, dann hätte man auch nichts gehört.
Mich hat das wirklich beeindruckt. Von Vorteil ist in der Wüste derjenige, der Spuren lesen kann. Ich bin mir sicher, dass es hier von Spuren und Zeichen nur so wimmelt und die Wüste gar nicht so "Tod" ist, wie sie sich uns präsentiert.
Auf jeden Fall knallt die Sonne hier nur so runter und ich bin froh, dass ich die lange Hose gewählt habe.
Nach der kurzen Pause gehts weiter zu dem ganz privaten Beduinendorf.
Sie wohnen schon in richtigen Häusern und ist nicht so privat, wie man es uns angepriesen hat.
Die Beduinen leben in Häusern und es gibt viele zivilisierte Dinge hier. Man versucht die zwar zu verstecken (genauso wie den Kühlschrank in dem nubischen Dorf), aber einem aufmerksamen Besucher entgeht das nicht.
Wir werden in einen Aufenthaltsraum gelotst, wo wir Tee serviert bekommen. Der schmeckt übrigens grausam und wird wohl mit dem einheimischen Bergwasser gemacht. Empfindliche Mägen sollten sicherheitshalber darauf verzichten, genauso wie Leute, die von schmutzigen Gläsern Herpes kriegen. Da ich beides nicht habe war das nicht relevant und ich probierte den Tee.
Unser Reiseleiter erzählte uns einige Dinge über die Beduinen und dann ging es zum Kamelreiten. Das war im Preis inbegriffen also rauf auf das gute Tier. Es war übrigens sehr gepflegt im Gegensatz zu den Kamelen des nubischen Dorfes. Nur etwas stur (wie die Reiterin eben auch *lach*).
Danach wurde uns der Shop präsentiert. Es gab eine ganze Reihe von Naturheilkundlichen Mitteln, aber ich habe nichts eingekauft. Mittel gegen Diabetes, Magenschmerzen usw. Der Reiseleiter konnte mir nicht sagen, wie diese Pflanzen heißen. Ich hätte ja gar nicht die lateinischen Bezeichnungen gebraucht, nur die einheimische Bezeichnung. Den Rest hätte ich schon rausgefunden. Über soviel Unkenntnis kann ich wieder nur den Kopf schütteln.
Dann gings weiter zum Wasserloch. Die nächste Gruppe wollte zum Shop und wir mußten den Platz räumen. Mittlerweile waren nämlich noch ca. 8 Jeeps angekommen. Also ein ganz privates Beduinendorf ;-) .
Auf dem Weg zum Wasserloch bekamen wir noch Begleitung. Der Hund stürzte direkt auf mich zu und ließ sich erstmal verwöhnen. Ich hatte einen neuen Freund getroffen und am liebsten hätte ich ihn gleich mitgenommen. Auf dem Weg gesellten sich noch 2 andere Hunde dazu, die waren aber nicht so begeistert mit mir. Im Beduinendorf hält man Katzen und Hunde zur Ungeziefer-Abhaltung. Das wurde uns gesagt, aber ich glaube eher, dass die Tiere den Tourismus zu schätzen gelernt haben. Ab und an fällt sicher was für die Tiere ab.
Zurück vom Wasserloch und vorbei an den Toiletten (keine Becken, nur Steinwände in der Wüste) ging es dann wieder zum Dorf. Das versprochene BBQ (Barbeque) dauerte noch. Also nutzten wir die Chance um den Sonnenuntergang anzugucken.
Alle Besucher ab in die Jeeps und Wettfahrt-mäßig mit einigen gröhlenden Touris auf den Dächern ab zu den Bergen.
Dort bin ich gleich raufgeklettert und habe mir einen einsamen Platz ganz oben gesichert. Von dort aus konnte ich am besten filmen. Ulli blieb unten.
Gesehen haben wir nicht viel, da ja die Berge davor sind. Aber trotzdem ist es ein atemberaubendes Naturschauspiel. Störend sind nur wieder die quatschenden Touristen.
Kaum war die Sonne hinter den Bergen verschwunden gings zurück zum Dorf. Wir mußten uns alle die Hände waschen (mit Wasser einer Wasserflasche) und dann erwartete uns dann in einem seperaten Raum (jede Reisegruppe hatte so einen Raum) ein kleines Buffet mit einheimischen, auf Kamelmist gebackenem Brot und Salaten und Fleisch aus dem Palm Beach. Natürlich nicht zu vergleichen mit dem Essen in unserem Hotel. Wir haben nur eine Kleinigkeit gegessen, da wir ja noch im Hotel unser Buffet genießen wollten.

Zu unserem Essen gesellten sich dann auch ein paar Katzen. Einige Mitreisende ließen sie von ihren Tellern mitessen oder gaben ihnen etwas aus der Hand. Dieses Vorgehen war gar nicht so ungefährlich, denn ich sah ganz schnell, dass die Katzen nicht gesund waren. Ihre Augen waren ziemlich verklebt und verunstaltet. Es sah fast aus wie Trachom (eine durch Fliegen übertragene Krankheit, die in Ägypten oft vorkommt), aber jeder ist sich selbst der Nächste.

Zum Abschluß gab es noch ein bißchen beduinische Folklore. Ich überlegte mir, dass die Leute bestimmt froh sind, wenn die Touris wieder weg fahren. Klar, wir bringen ihnen das Geld ins Dorf, aber sie haben nicht einen Tag Ruhe. Nur in der Nacht können sie mal aufatmen und ihr Privatleben leben.
Ehrlich gesagt wäre mir das zu stressig.
Im Dunkeln fuhren wir durch die Wüste zurück zum Hotel. Zwischendurch machten wir nochmal halt um den Sternenhimmel zu bewundern.
Das hat mich wirklich sehr beeindruckt. Ich sehe ja die Sterne nicht richtig, da ich leicht nachtblind bin und mich die Lichter in der Umgebung immer blenden, aber hier in der Wüste war es stockdunkel und ich verstehe, wieso der Sternenhimmel die Menschen so fasziniert hat.

Die Gäste, die im Palm Beach wohnten wurden auch langsam nervös. Sie wollten auch etwas richtiges Essen, nur das Restaurant ist nur bis 21 Uhr geöffnet. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig. Hier zeigte sich wieder der Nachteil von all inclusive.
Wir konnten noch bis 23 Uhr gemütlich Abendessen und das Buffet im Hotel war wieder himmlisch.
Danach fallen wir müde in die Betten.


Fazit: Dieser Taurus-Ausflug ist ganz unterhaltsam, wenn man mal etwa anderes möchte, als am Pool liegen.
Empfehlen möchte ich, genügend Wasser mitzunehmen. Das Wasser, was man dort von der Reiseleitung bekommt reicht für den Tag nicht aus (1/2 liter).
Vorsichtig sein mit dem servierten Tee und im Zweifelsfall drauf verzichten.
Wenn man auf Kleinigkeiten achtet, kann man in dem Dorf so manche Entdeckung machen. Sei es der Wasserschlauch, der von den Bergen ins Dorf führt, oder die Kanister, die auf den Dächern versteckt wurden.
Den Kindern kein Geld geben, sie prügeln sich dann darum. Dieses Geld wird sofort im Shop in Süßigkeiten umgesetzt. Da es im Dorf viele Kinder gibt, wird die Eifersucht dadurch angetrieben. Trinkgeld kann man dem Kamelführer nach dem Ritt geben.
Wenn man den Kindern eine Freude machen will, dann kann man eine Tüte Bonbons (Nimm2 oder so) mitbringen und dann jedem Kind etwas geben.
Sinnvoll ist es, feuchte Tücher mitzunehmen. Am besten schon von zu Hause. Man hat in dem Dorf keine Gelegenheit sich die Hände groß zu waschen.

Letztendlich hat man einen unterhaltsamen Tag.