Tag 5 / Philae-Tempel, Obelisk, Kaffeefahrt und Mutprobe


Heute war wieder früh wecken angesagt. 6.30 kam der Weckruf per Telefon und um 7.30 war Abfahrt zum Isis-Tempel auf Philae.
So langsam schlich sich in die Reisegruppe eine gewissen "Stein-Müdigkeit". Wir hatten jetzt schon so viel gesehen, irgendwann reicht es. Was sollte auf Philae anders sein, als z.B. Edfu.
Aber nun gut. Also rein in den Bus und ca. 1/2 Stunde bis zum Stausee gefahren.

Der Stausee hat wirklich eine beachtliche Größe und man nennt ihn auch das "Meer Ägyptens". Fotografieren darf man nur den See und die Turbinen zur Stromgewinnung. Ansonsten nix. Man hat Angst vor Anschlägen. Sollte der Staudamm brechen, wäre sogar Kairo vollkommen überflutet. So ein Unglück wäre eine wirkliche Katastrophe.
Am Stausee sind wir dann nach den üblichen Sicherheitskontrollen in ein Boot verfrachtet worden und zur Insel Philae gefahren. Dorthin hat man den Tempel beim Bau des Stausees versetzt, ansonsten wäre er überflutet geworden.
Das hätte zur Folge gehabt, dass man ihn nicht mehr hätte besuchen können und dann wären keine Touristen mehr gekommen, die auf dem Basar hätten einkaufen können *grins*
Man fährt auf den Tempel zu und bewundert unterdessen die schöne Lage des Bauwerks. Rund herum sind noch ein paar Inseln und es ist richtig idyllisch.
Der Tempel selber unterscheidet sich nicht wirklich großartig von den Tempelanlagen, die wir bisher gesehen haben. Wie gesagt, man wird langsam "Tempel-Müde" und es macht auch keinen Spaß mehr.
Von Vorteil ist, dass wir uns mittlerweile schon gut auskennen und die Götter und Reliefs schon erkennen und auch selber deuten können.
Auch dieser Tempel ist von kleinen Spatzen bevölkert. Sie haben in die Löcher ihre Nistplätze und "Wohnungen" eingerichtet. Wenn man herum läuft, muß man fast aufpassen, dass man nicht von herabfallenden Kotpfützen getroffen wird *lach*
Wie man sieht, habe ich auch so langsam genug von Tempeln. Die 30 Minuten, die wir alleine auf dem Gelände verbringen dürfen, nutze ich zu einer ausgiebigen Pause. Ich frage mich, was die Menschen damals doch für einen tiefen Glauben an ihre Götter gehabt haben müssen, um solche imponierenden Bauwerke zu bauen. Manch ein Bau (z.B. Karnak) ging ja über Generationen und wurde teilweise ja niemals komplett fertiggestellt. Jeder Pharao hat die Tempel weiterbauen lassen und um seinen Hauptgott erweitert.
Dann ging es wieder zum Boot und zum Bus. Wir fuhren wieder zurück nach Assuan und Arabi wollte uns "unbedingt zeigen", wie eine Parfümfabrik aussieht. "Musse nix kaufen, kann man schauen und wenn will man kaufen. Isse ganze privat" Na gut. Dann mal sehen. Ulli und ich grinsten uns an. Jetzt war nämlich wieder etwas eingetreten, was wir unseren Mitreisenden schon verkündeten, aber uns Deutschen hat man ja nicht geglaubt.
In dieser Parfümfabrik erklärte man uns, dass das Parfüm in Europa ganz allein von ägyptischen Grunderzeugnissen stammt und man diese Öle hier kaufen kann. Sie halten länger, sie kosten weniger und machen keine Flecken auf der Kleidung. Nun gut. Wir rochen ein paar Substanzen, die man uns allen auf die Finger strich. Manches stank erbärmlich. Ich glaube, von unserer Reisegruppe hat keiner was gekauft und sich auch nicht von den geschulten Verkäufern überreden lassen.
Wir fühlten uns leicht "vera...". Ulli und ich wußten ja schon, was uns erwartet, aber die Mitreisenden waren dann doch leicht pikiert.
Wir haben für teure Euro eine Reise gebucht und wollen von Kaffeefahrten eigentlich verschont bleiben. Unser Tipp des Tages: Diese "Fabriken" neutral betrachten und die Leute beobachten. Kaufen sollte man nix, die Produkte bekommt man auf den Märkten wesentlich billiger. Erstmal, weil der Reiseleiter nicht daran verdient und dann auch, weil man in den Fabriken nicht handeln kann, aber auf dem Markt schon.
Stinkend und leicht wütend verließen wir dann diese Parfümfabrik und fuhren weiter zu dem unvollendeten Obelisk. Also wieder Steine gucken.
Am Eingang das übliche Bild. Arabi kauft Eintrittskarten, und dann Sicherheitskontrolle. Wir stiefelten dann in der größten Hitze quer über den Steinbruch. Das alleine war schon ein waghalsiges Unterfangen, aber meine Tempelschuhe hielten.
Der Obelisk liegt also mitten im Steinbruch. Man weiß nicht, in welchen Tempel er sollte. Zumindest ist er während der Fertigung zerbrochen und zieht jetzt die Touris an. Ich warte mal auf den Tag, wann sich der Erste den Fuß oder ähnliches bricht.
Ich habe auf dem Rückweg noch eine arabische Familie fotografiert, die zu unserer Reisegruppe gehörte. Der Vater stellte mir dann auch sofort seinen Sohn vor. Er wird sicher mal ein attraktiver Mann, aber ich bin doch etwas zu alt für den kleinen Kerl. Er ist nämlich erst 5 Jahre alt.
Dann gehts wieder ab in den Bus. Arabi möchte uns auf dem Weg zum Schiff noch unbedingt etwas zeigen. Ein Schmuck-Museum. Ich grinse zu Ulli rüber. Wir hatten also wieder recht. Dieser Juwelier ist wieder "ganze privat und man kann schauen und musse nix kaufen, aber wenn man will man kann kaufen und schauen".
Na dann mal los. Ich habe ja morgen Geburtstag und da wird sich doch sicher was finden *grins*
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Dieser Juwelier ist der Abschuss der bisherigen Kaffeefahrten. Nicht nur, dass hinter jedem Tresen ein ein Verkäufer steht, nein auch die Preise haben es in sich.
Wir haben uns ein paar Dinge zeigen lassen, aber beim Nennen des Preises habe ich teilweise wirklich schallend gelacht (was den Verkäufer nicht gerade gefreut hat). Ich wollte ja zum Geburtstag schon etwas aus Gold und auch aus Ägypten, aber ich wollte nicht alles Geld dafür ausgeben. Die Preise lagen so ab 500 Euro aufwärts. Der Hammer.
Dieses Ankh-Zeichen ist nicht beim Juwelier aufgenommen(sondern aus dem Netz), dort haben wir nicht fotografiert. Ich habe Ulli ja von Vitrine zu Vitrine geschleppt ;-) .
Nachdem auch die letzten ihre Einkäufe erledigt hatten, sind wir dann wieder zurück in die Innenstadt von Assuan gefahren. Dort im Souk wollte uns Arabi zeigen, wo man gut Gewürze kaufen kann. Komisch, von diesem Teil der Kaffeefahrt wußten wir ja noch gar nix. Also dann mal los. Wir brauchten ja keine Gewürze, hatten ja schon in Luxor eingekauft. Das war eine gute Gelegenheit, das Ganze mal von draussen zu beobachten.
Wir gingen also zu dem Laden, wo schon mehrere Verkäufer auf uns warteten. Arabi erklärte ein paar Dinge und verwies dann auf die Verkäufer. Die sollten wir fragen.
Die Verkäufer waren sehr aufdringlich und wir wurden ständig genötigt in den Laden zu kommen und etwas zu kaufen. Aber Ulli und ich blieben standhaft und mich machte das ziemlich wütend. Habe mich gefragt, wieviel Prozent der Reiseleiter wohl kriegt. Also hier nix kaufen, sondern lieber am freien Nachmittag alleine in den Souk gehen und handeln.
Auf dem Rückweg machte Ulli noch ein paar Fotos vom Treiben hier im Souk von Assuan.
Hier sieht man, wie Fleisch verkauft wird. In diesem Falle sind es Eingeweide / Innereien.
Hier wird Geflügel verkauft. Die Tauben und Hühner sehen sehr verhungert und krank aus. Die Tiere sitzen in engen Käfigen und teilweise den ganzen Tag in der Sonne. Damit sie nicht verdursten, werden sie getränkt. Das funktioniert so:
Der Verkäufer/in nimmt das Tier, trinkt einen Schluck Wasser und hält dann den Schnabel des Tieres offen und führt ihn an den eigenen Mund. Das Wasser wird dann in das Tier gepresst.

Was auf den Märkten abgeht ist teilweise so ekelig und abartig, dass man am liebsten Vegetarier wird. Was mit den Tieren passiert, ist schon Tierquälerei.
Ich konnte beobachten, wie Tauben am Flügel bei lebendigem Leib auf einen Haken aufgespießt wurden. Wir gingen noch zum Geldautomaten und dann gings wieder zum Schiff. Mittagessen.
In unserer Kabine erwartete uns eine Überraschung. Das war wirklich süß und ich habe mich natürlich prompt wieder erschrocken.
Heute Nachmittag hatten wir dann noch für 18 Euro einen Ausflug zu einem nubischen Dorf gebucht. Das "isse ganze privat. die leute freuen, wenn wir kommen. isse gastfreundschaft". Wir sind gespannt.
Mit einem Boot fuhren wir auf dem Nil in Richtung des Dorfes. Die Landschaft war wieder sehr reizvoll.
Kurz vor dem Dorf konnten wir für nochmals fast 7 Euro den Rest des Weges mit einem Kamel reiten. Na, wieso nicht. Also rauf auf das gute Tier.
Der Ritt war so ca. 15 Minuten. Dann waren wir auch froh, dass es vorbei war. Uns allen tat schon der Po weh, weil der Sattel so schlecht war.
Im Dorf selber empfing man uns schon mit Andenken und mit Tauschangeboten. Euro-Münzen in Euro-Scheine tauschen.
Das ist sowieso etwas, was uns sehr negativ auffiel. Kaum einer möchte die einheimische Währung (LE - ägyptische Pfund) annehmen. Es wird immer nach Euro gefragt und ein dummes Gesicht gemacht, wenn man in Landeswährung bezahlt. Auch bei US-Dollar wird man noch schief angeguckt.
Auch die Kinder betteln um Euro. Hier möchte ich auch davor warnen, den Kindern Geld zu geben. Sie "verdienen" mit der Bettelei sonst mehr als ihre Väter und gehen deshalb nicht zur Schule, weil sie den Sinn in einer Schulbildung nicht sehen.

Zu dem nubischen Dorf ist nichts weiter groß zu sagen. Ein Dorf, was auf Tourismus macht, Andenken verkauft usw.

Witzig war die Aktion mit dem Krokodil. In einem Bassin waren ein paar kleine Krokodile. Die konnte man auf die Hand nehmen und wie Ihr hier seht, war ich sehr skeptisch und hatte Angst, dass es mich beißt.
Ich hatte mich aber schnell gewöhnt und dann hat es mir auch ganz gut gefallen. Ich kann verstehen, dass einige Touristen so ein "süßes kleines Krokodil" im Reisegepäck mit nach Hause nehmen. So ein Verhalten ist natürlich streng zu verurteilen und ich hoffe, dass jeder Touri dafür hart bestraft wird, der denkt, er bräuchte es zuhause.
So ein Krokodil fühlt sich übrigens an wie eine Kröte und ist ganz warm.
Nachdem ich diese Mutprobe auch bestanden hatte, ging es dann auch schon bald zurück zum Schiff. Nach dem Abendessen saßen wir noch kurz auf Deck. Heute mußten wir früh ins Bett, weil morgen um 3 Uhr aufstehen angesagt war. Es sollte ja zum Abu Simbel gehen.