Tag 4 / Schleuse, Horus, Kom Ombo und ein Schreck in der Abendstunde


Um 0.30 legte das Schiff endlich nach Assuan ab und wir konnten dann beruhigt zum Schlafen gehen.

Zum Frühstück erzählte man uns, dass wir gegen 3 Uhr in der Nacht die Schleuse von Esna passiert hätten. Später werden wir sehen, wieso das auch so gut war.
Ich habe davon nicht viel mitgekriegt, außer, dass das Motorengeräusch relativ laut war. Man muß sich da erst dran gewöhnen.
Als wir dann früh aufstanden und an Deck kamen, erwartete uns ein überwältigender Eindruck. Zum ersten Mal sahen wir die Nillandschaft und schon allein dafür hat sich alles gelohnt. Dieses Foto kann gar nicht wiedergeben, wie beeindruckend das ist.
Palmen, Bananenplantagen, Dörfer ziehen an einem vorbei. Das Leben auf dem Nil ist wirklich vielfältig. Man sieht unmengen von Vögeln und dazwischen Menschen auf kleinen Booten, die auf dem Nil oder an Land ihre Arbeit verrichten. Guckt bitte nochmal bei Ulli, um mehr Fotos und auch größer zu sehen. Dann kann man auch verstehen, wovon ich eigentlich rede ;-) .
Auch auf dem Schiff wurden wir von Polizei begleitet. Gesehen hat man die bewaffneten Männer nur, wenn wir uns irgendwie Richtung Anlegestelle oder Schleuse oder so bewegten. Gestört haben sie mich persönlich nicht, da sie sich sehr diskret verhalten haben. Andere Personen aus unserer Reisegruppe fühlten sich ziemlich gestört -- das kann ich, wie gesagt, nicht nachvollziehen.
Um 10 Uhr legten wir also in Edfu an. Heute stand der Tempel von Edfu auf dem Besichtigungsprogramm. Also bekamen wir auf dem Schiff "Boarding-Karten", damit man uns dem richtigen Schiff zuordnen konnte. Wie man sehen kann, lagen dort schon ein paar Schiffe. Ich will ja gar nicht wissen, wie es dort und auch an den anderen Anlegestellen in der Hauptsaison aussieht.
Am Anleger warteten schon Kutschen, die uns zum nahegelegenen Horus-Tempel bringen sollten. Man "pferchte" uns zu viert in die Kutschen und los gings in die Stadt. Vielleicht könnt Ihr hier erahnen, wie verhungert und vernachlässigt die Pferde hier wieder aussehen. Man setzte uns in der Nähe eines Basares ab und wir mußten durch den Basar (wie immer) zum Tempel gehen. Das waren vielleicht nochmal 5 Minuten zu Fuß bis direkt zum Tempel. Am Eingang das übliche Bild. Sicherheitskontrollen und Arabi kaufte die Eintrittskarten.
Der Horus-Tempel in Edfu soll einer der besterhaltensten Tempel in Ägypten sein.

Wenn man dann drin ist, ist es wirklich erstaunlich. Man könnte meinen der Tempel würde noch genützt. Auch die Reliefs sind noch gut erhalten. Die Decken sind schwarz, weil die Menschen nach der Pharaonenzeit die Tempel als "Wohnstätte" nutzten und darin auch kochten.
Die Außenanlagen und der Innenhof sind von Vögeln nur so belagert. Die scheinen sich sehr wohl zu fühlen und nutzen die Löcher in den Wänden als Nistplätze. Hier sehr Ihr mich direkt im Innenhof. Im Hintergrund ist die Polizeikontrolle.
Ja, auch Ulli war wieder mit dem Fotoapparat unterwegs. Hier eine der seltenen Fälle, wo er den Apparat zum fotografieren abgab und nicht den Selbstauslöser benutzte.
Vor der Besichtigung eröffnete uns Arabi, dass heute Abend der "Galabeia-Abend" stattfinden würde. Das heißt, das wir noch eine Galabeia kaufen mußten und da bei uns auf dem Schiff die Preise gesalzen sind, schlugen wir nach der Tempelbesichtigung auf dem Basar in Edfu zu.
Wir handelten und das hat sich gelohnt. Anfangs wollte er 200 LE (Ägyptische Pfund) für eine Galabeia und gekauft haben wir dann 2 Stück mit zugehörigen Kopftücher für 45 LE.
Dann holte uns der Kutscher wieder ab und wir fuhren in der Kolonne die paar Minuten zurück zum Schiff. Dort legten wir auch direkt wieder ab um die Tempelanlagen von Kom Ombo zu sehen.
Die Fahrt auf dem Nil war wieder überwältigend und wir nutzten die Zeit mit beobachten, filmen, fotografieren und auch ein bißchen Sonnenbaden.
In Kom Ombo legten wir dann gegen 18 Uhr an und wir düsten auch gleich los, da es bald dunkel werden würden. Den Tempel kann man schon von weitem sehen.
Unser Glück war, dass er direkt am Anleger liegt und wir nicht mehr soweit laufen mußten.
Ich habe nämlich in der Zwischenzeit meine Vorliebe für Wassereinlagerungen in den Beinen entdeckt. Nicht nur, dass ich jeden Schluck Wasser dort speicherte, ich paßte auch in kein vernünftiges paar Schuhe mehr. Also beschränkte ich mich auf meine Sandalen, die wir in Luxor reparieren ließen. So entstand dann auch der Begriff "Tempelschuhe".
An der Anlegestelle hatte ich dann auch Gelegenheit mal einen richtigen Esel aus der Nähe anzugucken. Für ein kleines Trinkgeld konnten wir dann auch ein Foto machen.

Der Tempel des Krokodil-köpfigen Gottes hat eine Besonderheit, wegen der er auch für mich interessant war. In diesem Tempel gab es nämlich medizinische Reliefs. Die Gerätschaften aus damaliger Zeit sind teilweise identisch mit den medizinischen Geräten heute. Sehr faszinierend. Leider kann man das auf dem Foto nicht so gut erkennen.
Noch eine Besonderheit gibt es in diesem Tempel. Man hat dort mumifizierte Krokodile entdeckt.
Heutzutage kann man im Nil keine Krokodile mehr sehen. Es gibt dort auch keine mehr. Der Mythos Nil-Krokodil ist also mit Bau des Staudammes gestorben.
Die mumifierten Krokodile befinden sich in einem kleinen Seitengebäude. Da alle Touristen dort reingelotst werden, ist es unerträglich eng und man verliert die Lust, die Krokodile anzugucken.
Während meiner Video-Aufnahme dieser Krokodile fällt mir auch ein unentwegtes pfeifendes Geräusch auf. Nach einigem Suchen sah ich dann auch den Grund dafür. Oben an der Wand saßen zwei Fledermäuse. Witzig. Ich hielt drauf und versuchte die Fledermäuse ganz nah auf das Video zu bekommen. Oh Schreck..als die zwei sich plötzlich bewegten und die Wand entlang krochen (das sah durch das Video-Objektiv aus wie riesige Spinnen) habe ich mich so dermaßen erschrocken, dass ich in wilder Panik die Flucht ergriff. Natürlich nicht ohne Geräusche von mir zu geben *lach*. Unsere Mitreisenden beobachteten mich nur kopfschüttelnd.
Mittlerweile war es dunkel geworden und die komplette Tempelanlage wurde beleuchtet. Das sah wirklich toll aus. Nachteil war, dass die Mücken aus ihren Löchern krochen und wie ausgehungert über uns herfielen.
Wir beobachteten noch den Schwarm Fledermäuse, der über unsere Köpfe hinwegflog und dann aber nix wie ab auf das Schiff, wo wir vor Mücken wirklich sicher waren. Das war auch das einzige Mal, dass wir unter Mücken zu leiden hatten. Ansonsten hatten wir keine Stiche. Gott sei dank.
Auf dem Schiff erwartete uns dann unser Abendessen, zu dem wir auch schon in "Landestracht" erschienen. Zu dem Abendessen kann ich auch wieder nix sagen. Es gab mal wieder Nudeln mit Fleisch, Reis und Salat. Um 20 Uhr haben wir dann Richtung Assuan abgelegt und um 21 Uhr begann unsere Galabeia-Party.
Diese "Party" war wirklich ein Witz. Es gab ein paar Spiele und etwas Musik und nach 1 Stunde war alles vorbei. Dabei hatten Ulli und ich uns soviel Mühe mit den Kostümen gegeben.
Trotz der Enttäuschung hatten wir unseren Spaß. Wir haben uns mit dem älteren Ehepaar super unterhalten und später haben wir uns dann noch aufs Deck verzogen um bei einem Bierchen unsere Ankunft in Assuan zu erwarten.
Um Mitternacht haben wir dann in Assuan angelegt. Bei der Anfahrt fiel uns diese belebte Stadt ins Auge. Direkt gegenüber befindet sich eine riesige Sanddüne, die Gräber enthält. Diese Sanddüne soll das meistfotografierte Objekt sein. Ich kann das nicht glauben, da ja die Pyramiden sehr viel öfter besucht werden.
Schon beim Anlegen fiel uns auf, wie laut es dort war. Die Anlegestelle lag direkt an der Hauptstraße und für empfindliche Reisende, wie für diejenigen, die auf der Seite Ihre Kabinen hatten ein unerträglicher Zustand. Man hört die Autos, die Abgase ziehen rüber und das Gehupe nervt. Außerdem unterhalten sich Ägypter nicht gerade leise.

Naja, heute war ein sehr langer Tag und wir sehen zu, dass wir uns in unsere Kabine zurückziehen.
Mein Bett ist immer noch klamm, meine Füße angeschwollen und mein Magen tut mir weh. Außerdem habe ich immer noch Halsschmerzen. Nicht gerade ein tolles Ende für einen beeindruckenden Tag.
Morgen ist um 6.30 Wecken.