Tag 2/ Tal der Könige, Kolosse, Hatschepsut und Foto-Extase


Heute war um 5.30 wecken und um 6.30 gibt es Frühstück. Das Frühstücksbuffet besteht aus einer Vielzahl von süßem Gebäck, trockenen Brötchen, Feigenmarmelade, Honig und Eiern.
Ich halte mich an ein Brötchen mit Marmelade. Den Eiern traue ich nicht so richtig, nachdem ich gestern gesehen habe, dass sie teilweise den ganzen Tag im Souk in der Sonne stehen. Wer weiß, wo der Koch seine Eier kauft.

Nach dem Frühstück werden wir um 7 Uhr direkt am Schiff vom Bus abgeholt und fahren über eine Brücke auf die andere Nilseite zum Tal der Könige.


Obwohl es so früh ist, brennt die Sonne schon vom Himmel als wir dort so gegen 8 Uhr eintreffen, wir verstehen, wieso Arabi (unser Reiseführer) so früh loswollte. Man hat den Eindruck, als ob die Sonne direkt in das Tal brennt.


Am Eingang besorgt Arabi die Eintrittskarten, mit der wir 3 Gräber besuchen dürfen. Also ab durch die Sicherheitskontrolle und hinein ins Abenteuer.
Erstmal bekommen wir eine Einführung in den Totenkult der alten Ägypter. Sehr interessant, aber mit der Zeit werden wir unruhig und wollen endlich mal etwas sehen. Es geht zum ersten Grab.
Ulli scheint nicht aufgepaßt zu haben, denn er fragt nach fotografieren und Arabi erklärte ihm nochmals, dass er einen Fotoausweis am Eingang kaufen muß.

Er düst los und scheint ganz zu vergessen, dass er meine Eintrittskarte hat. Demzufolge stehe ich wie bestellt und nicht abgeholt vor dem Grab während die anderen schon hinein dürfen. Dank Arabi werde ich dann doch reingelassen -- es gibt also doch noch Kavaliere.


Im Grab selber erwartet mich eine beeindruckende Wandmalerei. Die Reliefs sind in den Fels eingehauen und erzählen sehr viel von der Geschichte und vom Leben des Toten. Auch versteht man den Totenkult und die Götter der Ägypter. Sehr faszinierend. In dem Grab ereilte mich dann der Fluch des Pharao und mir Riß eine Schnalle an meinem Schuh. So ein Ärger.

Während ich mich umgucke ist von Ulli weit und breit nix zu sehen. Also wende ich mich wieder alleine den Reliefs zu und wimmle einen herumstehenden Ägypter ab, der gegen Trinkgeld unbedingt ein Foto von mir machen will.
Dieser Ägypter scheint ja dann zumindest Ulli gefunden zu haben, der sich dann zu einer "geheimen Stelle" hat bringen lassen um sich fotografieren zu lassen. Ich gucke mir das Ganze kopfschüttelnd an.

Nachdem wir alle zusammen einige Gräber besucht hatten, konnten wir noch 30 Minuten alleine verbringen. Ich hätte gerne noch das Grab von Tut Ank Amun gesehen, aber Ulli hat sich erzählen lassen, wie toll man im Grab von Ramses II. fotografieren kann und das wollte er sich nicht entgehen lassen. Also stampfte ich schmollend hinterher. Zwischendurch wird aber noch eine Trinkpause eingelegt.

Das Grab von Ramses III. ist zwar riesig und die Reliefs sind beeindruckend, aber trotzdem ist das ganze Grab eine Katastrophe. Die Wände sind mit Glas abgedeckt und die Decke ist schwarz vor Schimmelpilzen. Der komplette hintere Bereich ist für Besucher gesperrt, weil die Decke schon herunter gekommen ist.
Der Tourismus fordert seinen Tribut. Die Atemfeuchtigkeit und die Ausdünstungen beschädigen das Grab. Außerdem ist das Grab so voller Touristen, dass man fast keine Luft mehr bekommt.


Ganz hinten in den engen Gängen bekomme ich langsam Platzangst. Also überlasse ich dem fotografierenden Ulli seinem Schicksal und verziehe mich nach draußen. Ich frage mich heute noch, ob er das überhaupt bemerkt hat vor lauter Fotografiererei. Ich wartete dann draußen auf ihn.

Dann ging es wieder zum Bus und wir fuhren weiter zum Hatschepsut-Tempel. Ulli überspielte in der Zeit seine Bilder auf die mobile Festplatte und war quasi nicht ansprechbar.

Am Tempel angekommen gingen wir wieder durch einen Bazar zum Tempel. Dort die üblichen Sicherheitskontrollen mit Taschencheck und Durchleuchtung. Ganz ernst kann man die Kontrollen nicht nehmen. Ich habe eher den Eindruck, dass es die gibt um den Touristen zu beruhigen.

Mittlerweile ist es schon sehr heiß und wir stiegen den Tempel rauf um ihn zu erkundschaften. In einem der Nebentempel stand ich plötzlich wieder alleine da und mußte mich wieder einem sehr aufdringlichen Ägypter wehren.
Mittlerweile war ich schon ziemlich geladen und frustriert. Während die anderen Pärchenweise den Tempel besichtigten kletterte ich entweder alleine zwischen alten Steinen herum oder rannte wie blöd hinter dem fotografierenden Ulli hinterher.
Nach 45 Minuten war das auch vorbei und wir versammelten uns wieder am Bus und fuhren zu einer Steinwerkstatt.
Dort hatten wir die Möglichkeit Souveniers zu kaufen und deren Herstellung zu beobachten. Klar: "Isse ganze privat. Kannst Du schauen und wenn man will kaufen. Musse nix kaufen.". Na dann mal sehen.
Es gab auch Tee und Arabi bekam auch was zu essen. Ulli hatte ja einen sehr anstrengenden Tag und mußte sich erstmal ausruhen. Also saß er qualmend neben Arabi und entspannte sich, während ich mich wieder mal den Ägyptern erwehren mußte.
Auch wir kauften ein paar Souveniers. Einen Skarabäus und Bastet die Göttin der Fröhlichkeit. Na wenn das mal hilft und meine Stimmung etwas erhellt.

Danach fuhren wir weiter zu den Kolossen von Memmnon. Darüber kann man sich nicht viel auslassen. Aus dem Bus aussteigen, 2 Fotos gemacht, in den Bus einsteigen und dann gings schon wieder zurück Richtung Schiff.

Um 12.30 Uhr gab es auf der Coral 1 das Mittagessen. Es gab Fleisch, Reis und Salat. Sah ähnlich aus wie gestern, aber wir hatten Hunger.
Mittlerweile hatten Ulli und ich uns auch wieder "versöhnt" und wir organisierten ein Taxi, weil wir noch den Souk von Luxor erkundschaften wollten. Also schnell ein Tuch eingepackt und los gings. Wir handelten also einen Preis aus und der Taxifahrer fuhr uns in die Stadt und wir vereinbarten einen festen Abholtermin an gleicher Stelle.

Als wir in der Stadt sind, wird unser erster Eindruck endgültig bestätigt. Luxor ist eine sehr heruntergekommene und verdreckte Stadt. Vom einstigen Prunk ist nichts zu sehen. Zur eigenen Sicherheit benutzte ich dann auch das mitgenommene Tuch. Nicht nur, dass es damit angenehmer in der Sonne war, sondern mir blieben auch die Blicke und Berührungen der Männer erspart. So ein Tuch ist doch sehr praktisch und ich werde in Zukunft öfters darauf zurückgreifen.
Wir kaufen an einem Stand ein paar ägyptische Gewürze und die ersten Postkarten.

Danach gingen wir weiter und staunten von Stand zu Stand mehr. Unglaublich, was dort alles verkauft wird und wie die Dinge aussehen. An einem Stand kauften wir ein paar rote Datteln. Nicht nur, dass es dort (wie auch woanders) von Fliegen nur so wimmelte, sondern der Verkäufer versuchte auch uns übers Ohr zu hauen. Ulli hatte es aber sofort gemerkt und wir bekamen das fehlende Geld ausgehändigt.
Am nächsten Stand ließen wir meinen Schuh reparieren. Der Schneider hatte draußen seine Nähmaschine stehen und nähte sehr ordentlich. Er überließ es Ulli ihm einen Betrag zu geben und er zahlte umgerechnet ca. 2 Euro. Der Schneider war ganz glücklich und wollte den anderen Schuh auch gleich nähen.
Ein paar Läden weiter hing das Fleisch draußen. Es versteht sich von selbst, dass es übersäät war von Fliegen. Ich dachte ernsthaft darüber nach, während dem Urlaub auf Fleisch zu verzichten. Es war wirklich ekelig. Besonders auch, wenn man daran denkt, dass das Fleisch den ganzen Tag der Hitze, der Sonne und den Fliegen ausgesetzt ist.

Auf dem Rückweg hatten wir noch sehr viel Zeit bis zur vereinbarten Zeit und wir spazierten ein wenig rum. Einer der Kutschfahrer verfolgte uns ca. 15 Minuten und seine Preise, die er uns zurief, wurden von Minuten von Minute billiger.
Wir kehrten dann in einem Hotel ein um einen Tee zu trinken und auf die Abfahrt unseres Taxis zu warten.

Wieder zurück auf dem Schiff bemerkten wir, dass ein zweites angelegt hatte. Es wurde plötzlich sehr laut und unruhig und stank nach Diesel. Außerdem hatten wir keine Aussicht mehr auf die gegenüberliegende Nillandschaft. Was für ein Glück, dass wir bald ablegen sollten.
Zum Abendessen um 19.30 Uhr gab es dann Nudeln, Fleisch und Salat.

Den Abend verbrachten wir wieder an Deck, tranken Stella-Bier und ich dachte über unsere Tischnachbarn nach. Merkwürdig, dass die Leute immer Schwierigkeiten mit uns haben. Liegt warscheinlich am Altersunterschied. Das merkt man schon daran, dass ich geduzt werde und Ulli gesiezt.
Mittlerweile haben wir ein paar sehr nette Gespräche mit einem ältern Ehepaar geführt. Die zwei sind richtige Abenteurer und kommen sehr viel rum.
Ansonsten haben wir keinen Kontakt zu den Mitreisenden.

Morgen können wir ausschlafen. Wecken ist erst um 7 Uhr und dann gehts zur großen Tempel-Tour.
Mein Bett ist total klamm und ich möchte die Decke am liebsten auf die Heizung legen, aber die gibts ja nicht.
In der Nacht selber ist es ziemlich laut, ständig Getrampel über der Kabine und Maschinengeräusche. Ulli schnarcht laut und irgendwann schlafe ich auch ein.