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(Am Ende gibt es einen kleinen Test, der im Pop-Up-Fenster aufgeht.)

Ich bin selber ein erwachsenes Kind eines Alkoholkranken. Hier möchte ich mal versuchen zu beschreiben, was in Kindern so vorgeht.

Viele Eltern denken, dass die Kinder nichts merken. Der Spruch "Die Kinder merken nichts!" ist einer der falschesten Meinungen.
Die Kinder merken sehr wohl etwas. Sie merken, dass etwas nicht stimmt. Sie können es nicht einordnen, aber irgendetwas stimmt nicht.
Kinder von Alkoholikern leiden. Sie leiden und ertragen ihr Schicksal. Sie können sich nicht einfach andere Eltern oder ein anderes Elternteil suchen. Sie müssen das nehmen, was ihnen gegeben wurde. Und das ist manchmal unheimlich schwer.
Sie sind auf Ihre Eltern angewiesen. Und auch die Verhältnisse zuhause noch so schlimm sind, dann lieben sie trotzdem ihre Eltern und besonders das abhängige Elternteil. Für viele Kinder sind die Zustände zuhause auch normal. Sie kennen das nicht anders und deswegen akzeptieren sie es.

Man kann die Kinder in unterschiedliche Gruppen einteilen. Jedes Alkoholiker-Kind entwickelt sich anders. Ich gebe hier nur einen kurzen Überblick.


Die Kinder des abhänigigen Elternteils "buhlen" um die Liebe und Zuwendung. Es bemüht sich wirklich schon sehr früh darum und dadurch entwickelt sich ein Co-Alkoholisches Verhalten.
Liebe und Zuneigung ist an ein bestimmtes Verhalten gebunden. Nur wenn das Kind lieb und brav ist und gute Schulnoten bringt, wird es geachtet und bemerkt.

Diese betroffenen Kinder isolieren sich, weil sie sich nicht trauen, (oder nicht dürfen) Freunde mit nach Hause zu bringen. Ihnen ist es peinlich, dass ihre Freunde sehen, wie das abhängige Elternteil auf dem Sofa liegt, schnarcht, stinkt und sehr betrunken ist. Schlimmstenfalls ist das Elternteil sogar wach und versucht mit den Freunden zu "kommunizieren".

Dazu kommt noch, dass die Kinder nicht ernst genommen werden. Vielleicht wenden sie sich an eine Vertrauensperson, aber man hört sie nicht an. So ein Verhalten kann schon im Kleinkindalter auftreten. Es ist also immer wichtig, einem Kind zuzuhören. Viele nicht zumutbaren Zustände zuhause können so erkannt werden und Maßnahmen können eingeleitet werden.

In einer Alkoholikerfamilie ist jeder Tag spannend. Wenn man aus der Schule kommt, weiß man nicht, was einen zuhause erwartete. Ich erlebte es auch so. Es konnte sein, dass eine super Stimmung war und ich dachte, wir hätten im Lotto gewonnen. Andererseits konnte sein, dass man von weitem schon die dunklen Wolken über dem Haus sah. Es war Ärger im Verzug und es war besser, wenn ich sehr lieb war, lustig drauf und so tat als wäre alles einfach nur perfekt. Ich selber fühlte mich schrecklich. Und hatte auch sehr viel Angst, weil man nicht einordnen konnte, was in der nächsten Sekunde passieren könnte.

Ich fing an richtige Überlebensstrategien zu entwickeln. Wußte, wie ich mich zu verhalten hatte, wenn ich nach Hause kam.
Diese Taktik hat sich bei Kindern in Alkoholiker-Familien bewährt.
Man kann so den Familienfrieden nachhaltig beeinflussen. Es ist erstaunlich, aber das klappt tatsächlich.

Man wird unheimlich schnell erwachsen. Schneller, als es die Kinder-Seele ertragen kann. Als ältestes Kind übernimmt man schnell verantwortungsvolle Aufgaben. Wird verdonnert zu Hausarbeiten, die man ordentlich erledigt, damit man keinen Ärger bekommt.
Man bemüht sich, alles perfekt zu machen. Dadurch wird man überverantwortlich, sucht die Zustimmung der Eltern und die Anerkennung. Bekommt man sie nicht, läßt man nach. Das gibt Ärger, also wird man wieder über-pingelig.

Als Erwachsener kann das extreme Folgen haben.
Man arbeitet bis zum Umfallen (Workaholic), bei jedem Misserfolg zweifelt man an sich selbst und jeder Fehler wirft einen zurück. Man kann nicht "Nein" sagen, weil man Angst vor den Konsequenzen hat und weil man kein Selbstvertrauen hat.
Erwachsene Kinder werden oft als überverantwortlich und extrem zuverlässig dargestellt. Dazu gehört auch Pünktlichkeit usw.
Sie werden aufgrund Ihrer Über-Genauigkeit oft als Arbeitskollege nicht gleichwertig angesehen. Sie gelten als Karrieresüchtig und man mobbt sie auch oft deswegen.


Durch die Überbelastung zuhause und das nicht klar kommen, damit was dort passiert, werden die Kinder oft schlecht in der Schule. Sie sind viel Aufsässig und einige werden straffällig. Begehen Kaufhausdiebstähle oder schließen sich "Gangs" an und suchen dort die Aufmerksamkeit. Bei diesen Kindern sollte man nachforschen, wieso sie klauen. Dort ist professionelle Hilfe angesagt, ansonsten kommt es als Erwachsenen zu genau dem Bild des Straftäters (einige Bücher berichten davon). Oder kommen schlimmstenfalls auch nicht mit ihrem Leben zurecht. Greifen ebenfalls zu Drogen.
Gott sei Dank blieb mir dieser "Karriere-Weg" erspart. Ich bin niemals straffällig geworden oder habe zu Drogen gegriffen.

Kinder die zum Einzelgänger geworden sind, haben oft Minderwertigkeitskomplexe. Sie hatten keine Ansprechpartner und haben sich total zurückgezogen.
Als Erwachsene haben sie oft Beziehungsstörungen und Probleme "Nein" zu sagen. Sie sind sehr hart zu sich selbst und und oft gnadenlos.

Letztendlich gibt es den "Familienkasper". Er versucht die fatale Situation zuhause mit Witzen, Lachen und Späßen zu überspielen. Dieses Kind ist immer gut drauf, hat viele Freunde und ist ein gern gesehener Gast. Er ist genau das Gegenteil des Einzelgänger-Kindes, das meist alleine und zurückgezogen ist.
Ich würde mal meinen Bruder eher in der Figur des Kaspers sehen.
Als erwachsenes Kind hat der Kaspar dann Probleme seine Gefühle zu zeigen. Er zieht sich hinter der Maske zurück und spaßt herum. Dadurch kann man ihn schlecht durchschauen. Er ist immer gut drauf. Gefühle zu zeigen sind ihm fremd.
Der Erwachsene sucht dann ebenfalls Bestätigung und Anerkennung. Er hatte zwar immer die Aufmerksamkeit in der Kindheit, aber alles passierte hinter der Kasper-Maske. Jetzt sucht er sich als Partner starke Persönlichkeiten. Demzufolge gibt es Beziehungsprobleme, weil das erwachsene Kind der Stärke nicht gewachsen ist.


Auf einer anderen Website fand ich diese Definition von erwachsenen Kindern. Ich fand sie ziemlich gut und deswegen habe ich sie hier auch reingestellt.

Erwachsene Kinder von Alkoholkranken
Erwachsene Kinder von Alkoholkranken tragen meist die schmerzlichen Gefühle aus der Vergangenheit in sich. Sie neigen zum Perfektionismus oder kümmern sich bis zur Selbstaufgabe um andere.
Gerade in Partnerbeziehungen kommen diese Probleme zum Tragen. Sie suchen Nähe und finden sie nicht, da sie meist Partner wählen, die selbst abhängig, unerreichbar oder nicht bindungsfähig sind. Sie erleben immer wieder, dass sie allein gelassen werden und fühlen sich überfordert, wie in ihrer eigenen Kindheit.
Diese Erwachsenen sind selbst hochgefährdet, in eine Abhängigkeit zu geraten, da sie es nicht anders kennengelernt haben, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

Typische Schwierigkeiten von erwachsenen Kindern suchtkranker Eltern/Erzieher

Schicksale:

Stille Schreie aus dem Dunst

Hier gehts zum kleinen Test: