Erstmal gleich am Anfang, Alkoholismus - die Sucht nach Alkohol - ist eine Krankheit. Eine Krankheit, die therapiert, aber nicht geheilt werden kann. Voraussetzung ist natürlich, dass die kranke Person das auch von sich aus möchte.
Alkoholismus ist auch eine Familienkrankheit. Die komplette Familie leidet darunter, der Ehepartner und die eigenen Kinder. Auch wenn der Alkoholiker irgendwann mal trocken ist, leiden besonders die Kinder weiter. Man spricht dann auch von "erwachsenen Kindern eines Alkoholikers".
Und genau das bin ich. Ein erwachsenes Kind eines Alkoholikers - aber dazu später mehr.
In Deutschland sind ungefähr 4 Millionen Menschen alkoholgefährdet und es gibt ungefähr 2,5 Millionen abhängige Alkoholiker. Von der Dunkelziffer möchte ich gar nicht reden.
Das Thema Alkoholabhängigkeit wird sehr gerne tabuisiert. Man redet nicht darüber und man möchte auch nichts davon wissen. Es sind auch immer "die anderen" betroffen.
Auf der anderen Seite gibt es den Zwang in unserer Gesellschaft, Alkohol zu trinken. In der Werbung wird der Alkohol verharmlost. Als jugendlicher gehört man nicht "dazu", wenn man keinen Alkohol trinkt. Es ist ein Teufelskreis.
Wir kennen alle die tolle Bacardi-Werbung. Weißer Strand, Sonne und Palmen. Eine Gruppe junger, schöner Menschen tanzt an einer Hütte und man trinkt Alkohol - Bacardi eben. Zielgruppe ist eindeutig unsere Party-Gesellschaft.
Nun gut, viele trinken in Gesellschaft mal gerne eine Bier, Cocktail, Sekt oder einen Schnaps. Auch ich selber bin mittlerweile realistisch geworden. Früher als Jugendliche und junge Erwachsene habe ich Menschen die tranken verteufelt und mich abgewendet. Ich habe das Trinken von Alkohol mit meinen Erlebnissen gleichgesetzt.
Es ist aber nicht so. Man kann Alkohol auch genießen. Ein gutes Glas Wein oder ein Sekt zum Feiern. Es kommt immer auf die Menge und auf die Regelmäßigkeit an.
Wann ist man also Abhängig ?
Ich habe mal nachgesehen und die WHO-Gliederung (nach dem ICD10, dem Abrechnungscode für Ärzte und Krankenkassen) hier aufgeführt:
1) Der starke Wunsch oder ein Zwang zum Alkoholkonsum
2) Man kann nicht kontrollieren, wann und wieviel man trinkt. Auch kann man nicht aufhören. Das ist ein sogenannter "Kontrollverlust"
3) Körperliche Symptome, wenn man keinen Alkohol trinkt. Dazu gehört Schweissausbrüche, Zittern, Unruhe.
4) Der Körper hat sich an den Alkohol gewöhnt und man muß immer mehr Trinken um eine Wirkung zu spüren.
5) Rückzug aus dem sozialen Leben. Man verbringt mehr Zeit damit, um sich zu überlegen, wo man Alkohol auftreibt und wo man ihn versteckt. Außerdem benötigt man Zeit, um sich von dem Konsum zu erholen (Schlaf).
6) Trotz Folgeschäden hält der Alkoholkonsum an.
Was sind die Ursachen?
Alkoholismus wird nicht vererbt. Die Alkoholabhängigkeit liegt immer in mehreren Ursachen. Diese Ursachen fangen meist in der Pubertät schon an.
Alkohol macht mutig. Das merkt ein Jugendlicher sehr schnell. Man traut sich mehr, die Kontaktschwierigkeiten verschwinden und man wird lockerer. Es ist nicht mehr so schwer mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.
Dann ist man vielleicht mal aufgeregt, kann nicht schlafen. Ein "Schlaftrunk" schafft Abhilfe. Warmes Bier bei einer Erkältung oder das Schnäpschen nach dem Essen.
Man soll es nicht glauben, aber es gibt tatsächlich Eltern, die in die Milchflasche ihres Kindes Alkohol geben, damit es besser schläft, oder den Schnuller in Rum tränken. Alkohol entspannt also, man kann besser schlafen.
Etwas was auch jeder kennt: Man sitzt mit Freunden zusammen, einer hat eine Flasche Lambrusco mitgebracht (der ist nicht so teuer und wird auch schon an Jugendliche verkauft) und die macht die Runde. Nach der 2 oder 3. Runde wird man aktiver. Die Gespräche werden unterhaltsamer und man wird so richtig kreativ. Die Ideen sprießen nur so hervor.
Diese Situation vergisst der Jugendliche nicht so schnell. Wenn er in Zukunft neue Ideen braucht, wird ihm ein Gläschen Lambrusco sicher dabei helfen.
Alkohol betäubt negative Gefühle. Ängste, Trauer und Depressionen treten in den Hintergrund. Man will die Sorgen im Alkohol ertränken. Nur das funktioniert nicht - wie jeder weiß.
Also man sieht hier, die Ursachen sind vielfältig. Klar, von einer Flasche Lambrusco wird man nicht abhängig, aber wenn man das oft macht, dann ist man gefährdet. Gerade wenn man den Alkohol dazu benutzt, um irgendetwas zu ereichen. Dann tritt der Gewöhnungseffekt sehr schnell ein, weil man einfach ohne Alkohol nicht mehr kann.
Gibt es unterschiedliche Abhängigkeitsgrade ?
Es gibt verschiedene Phasen der Alkoholabhängigkeit. Ein Forscher (Jelinek) hat das mal erarbeitet.
Prodromalphase (Vorphase)
Gelegentliches Erleichterungstrinken, Erhöhung der Alkoholtoleranz mit der Steigerung der Trinkmenge, heimliches Alkoholtrinken, häufiges Denken an Alkohol, Schuldgefühle, Vermeidung von Gesprächen über Alkohol
Kritische Phase
(Zeitweiser) Kontrollverlust über die Trinkmenge, Entschuldigungen-suchen für das Trinkverhalten, Aggressionen, Ärger mit Partner-Freunden-Arbeitgeber, Einlegen von Zeiten der Alkoholabstinenz (Tage oder Wochen), Fallenlassen von Freunden und anderen Interessen, Selbstmitleid, grundloser Unwille und großspuriges Benehmen, Vernachlässigung der Ernährung, regelmäßiges auch morgendliches Trinken
Chronische Phase
Verlängerte Alkoholräusche, ethischer Abbau und Trinken mit Personen “unter dem eigenen Stand”, körperliche Schäden und die Alkoholtoleranz (Alkoholverträglichkeit) nimmt wieder ab, undefinierbare Ängste, Zittern und psychomotorische Störungen, Zusammenbrüche, ggf. Delirium, Versagen des “Erklärungssystemes”.
Was kann man jetzt tun ?
Der Alkoholabhängige muß selber und ganz alleine erkennen, dass er krank ist und eine Therapie braucht. Wenn er das erkannt hat, dann gehts schon fast von alleine.
Ein Besuch beim Hausarzt ist notwendig und der übernimmt die weiteren Schritte.
Die Schritte gehen über eine Entgiftung, Aufenthalt in speziellen Krankenhäusern für Alkoholabhängige und endet dann meist in Selbsthilfegruppen.
Die abhängige Person ist nach der Therapie nicht vollkommen geheilt. Wie bei anderen Abhängigkeiten auch, muß er jeden Tag und jede Stunde den Versuchungen wiederstehen. Diese Menschen nennt man "Trockene Alkoholiker". Sie sind immer noch Alkoholiker, aber sie sind trocken.
Und dann ?
In der Familie und im sozialen Umfeld ändert sich jetzt sehr viel. Freundschaften verändern sich und der Familienalltag wird sich ändern.
Der trockene Alkoholiker darf keinen Alkohol mehr zu sich nehmen. Nicht in Schokolade, Kuchen, Eis, Pralinen. Nicht in Medikamenten und in Speisen. Keine Aromastoffe (beim Backen z.B. Rumaroma). Auch darf er kein alkoholfreies Bier trinken. Ja, auch alkoholfreies Bier, sowie Malzbier enthält Alkohol.
Ein anderes Leben beginnt.
Wie gehts jetzt hier weiter ?
Das war ein kleiner Überblick. Hier gibt es jetzt auf paar Links wo es weitergeht und Ihr Euch weiter informieren könnt.
Auch findet Ihr hier meine eigene Geschichte. Für viele von Euch wird sie ein ganz anderes Bild von mir zeigen. Wenn Ihr Lust habt, dann lest es. Ich möchte mein alkoholabhängiges Familienmitglied nicht schlecht machen, ich möchte einfach meine Geschichte aufschreiben. Um mir zu helfen, zu verarbeiten und zu verstehen und vielleicht kann ich anderen "Kindern" zeigen, dass man auch als "erwachsenes Kind eines Alkoholikers" sein Leben meistern kann. Das das Leben weitergeht.
Vielleicht kann ich einen kleinen Anstoß geben und Mut machen in ausweglosen Situationen.
Bevor Ihr weitergeht zu meiner eigenen Geschichte, solltet Ihr wissen, dass Ihr ein Passwort benötigt um sie zu lesen. Ich habe es gewählt, weil es doch um einen heiklen Punkt in meinem Leben geht.
Gerne bin ich bereit, Euch das Paßwort zuzuschicken. Schickt mir bitte eine kurze E-Mail, wo Ihr drin schreibt, wie Ihr heißt und was Euch bewegt meine Geschichte zu lesen. Vielleicht fügt Ihr noch dazu, wie Ihr von meinen Seiten erfahren habt.
Wenn Ihr meine Geschichte nicht lesen möchtet, dann guckt Euch doch trotzdem weiter bei mir um, nutzt die weiterführenden Themen-Links auf dieser Seite und besucht den Rest auf meiner Homepage.
Viel Spaß dabei.