Pieštany (sprich Pieschtjani)

Der Mann, der die Krücken bricht

Die ersten Sonnenstrahlen gucken durch die Wolkendecke und schon sind wir unterwegs in der Slowakei. Dieses Land ist wirklich einmalig schön und ich werde Euch immer wieder mit aufregenden Ausflügen unterhalten.
Heute geht es um die Stadt Pieštany.

Pieštany (35000 Einwohner) ist ein weltbekanntes Heilbad (und seit 1954 sogar international anerkannt). Wahrzeichen (seit 1898) ist der Mann, der die Krücken bricht.

Es wird angenommen, dass die Heilquellen in Pieštany von römischen Soldaten vor fast 2000 Jahren entdeckt wurden.
Ein Beweis existiert nicht, aber es ist bekannt, dass römische Legionäre unter der Führung von Marcus Aurelius sich auf diesem Gebiet bewegt und hier ihre Heereslager errichtet haben. Spuren menschlicher Gegenwart in dieser Region reichen jedoch bis weit in die entferntere Vergangenheit.
Es gibt aber auch Funde aus der Steinzeit. Zum Beispiel die "Venus aus Moravany". Es handelt sich um eine kleine Figur einer Frau, die ca. 8 cm hoch ist und aus einem Mammutzahn geschnitzt ist. Ihr Alter wird auf 22 500 Jahre geschätzt. Sie wurde von einem Bauern (1938) auf dem Feld gefunden.
Das schwefelwasserstoffhaltige Thermalwasser in Pieštany sprudelt aus tektonischen Felsen aus der Tiefe von 2000 Metern hervor. Seine Temperatur an der Quelle beträgt 67 - 69 Grad Celsius. Die Zusammensetzung des Wassers ändert sich nicht. Das hypotonische Thermalwasser mit Sulfat-Karbonat-, Kalk-Natrium- und Schwefelcharakter enthält etwa 1500 mg Mineralstoffe pro Liter. Auf der Bäderinsel befinden sich insgesamt 10 solcher Quellen.
Der zweite Heilfaktor ist der radioaktive Schwefelschlamm, der zu den bekanntesten Peloiden der Welt zählt. In Pieštany behandelt man Krankheiten des Bewegungsapparates und einige organische Nervenleiden.
Die Badeanstalten befinden sich auf der Bäderinsel. Man erreicht sie über drei Brücken. Am bedeutendsten ist die Kolonnadenbrücke. Sie ist nur für Fußgänger bestimmt. Wurde 1932 fertiggestellt, 1945 von deutschen Truppen zerstört und 1956 wieder aufgebaut. Die Brücke ist durch eine Glaswand in 2 Hälften geteilt und überdacht. Wenn man darüber geht, hat man den Eindruck auf einem Schiff an der Reeling zu stehen und auf das Wasser zu blicken...Nebenbei gesagt, kostet die Kugel Eis dort 5 Kronen, das sind ungefähr 12 Cent).

Auf der Insel angelangt, kommt man geradewegs auf die Prachtbauten zu. Nicht nur wir zwei bewundern die Gebäude und den toll gestalteten Park. Auch Beethoven und die Kaiserin Sissy genossen schon die Atmosphäre. Das Thermia-Palace ( Hier gibt es eine Weltrarität - das "Schlammbecken" mit thermalem Wasser, das direkt aus dem Schlamm am Boden des Beckens sprudelt.) und das Irma-Bad stechen einem direkt ins Auge. Sie sind beide 1912 im Stil der Wiener Sezession errichtet.
Geht man dort vorbei, dann kommt man direkt auf das Napoleon-Bad zu. Den Namen erhielt es, weil die Offiziere der Napoleonkriege zu Beginn des 19.Jahrhunderts nach Piestany geschickt wurden. Im Napoleonbad wurden "moderne" Wannenbäder gebaut und auch das erste Becken mit "Spiegel-Boden". Das war zur damaligen Zeit eine Sensation. Mit Spiegel-Boden meine ich natürlich einen Boden aus den uns heute gewohnten Fliesen.
Wenn man zwischen Irma-Bad und Napoleon-Bad hindurch geht, dann findet man die Hauptquelle des Kurorts. Sie wurde nach Adam Trajan bekannt.

Wir sind weiter gegangen und stießen auf das Pro Patria. Es hat neben den Prachtbauten eher den Anschein einer Baracke. Schnell weiß man auch warum. Pro Patria war im ersten Weltkrieg ein Krankenhaus für die Soldaten und hatte 500 Betten.

Das war unser Ausflug auf die Bäderinsel. Wieder über die Kolonadovy most (Kolonadenbrücke) zurück, gingen wir in die Innenstadt.
Pieštany selber ist eine Stadt, die sich im Aufbau befindet. Sanatorien, Kurhotels und Badeanstalten werden restauriert. Das alte Museum wird restauriert und man baut eine Bühne für Kurkonzerte. Im Museum kauften wir auch ein sehr gut gemachtes Duplikat der Venus. Das Original liegt heute übrigens in der Burg in Bratislava.

Auf dem Rückweg zum Auto gingen wir am Ufer der Vah entlang. Massenweise Schwäne ließen sich dort treiben. Die Sonne glitzerte im Wasser und die Luft war überraschend gut. Wir haben beschlossen, dass wir nochmal nach Piestany zurückgehen werden. Dann aber mit Badeanzug und einem kleinen Doppelzimmer in einem der prächtigen geschichtsträchtigen Bauten.

Während wir so auf die Schwäne blicken, denken wir an eine alte Sage. Sie erzählt, dass sich am Ufer des rechten Flußabschnittes ein lahmender Pfau aufgehalten hat. Er war sehr gerne dort, genoss die gute Luft, das Plätschern des Wassers. Kurze Zeit später war er geheilt, seine Leiden waren kuriert und er zog seinen Weg...

Die Fotos zu diesem wirklich tollen Ausflug findet Ihr im Fotoalbum und auch unter diesem Link.



Es werden noch viele Ausflüge folgen. Hoffentlich macht es Euch Spaß darüber zu lesen. :-)