Karpatendeutsche und die Slowakei
Was haben eigentlich Karpatendeutsche mit der Slowakei zu tun ? Genau das habe ich mich gefragt und habe mal versucht mich schlau zu machen.
Einfach war das nicht, denn Karpatendeutsche und Sudetendeutsche sind in meiner Generation immer als die "Jammernden" bekannt gewesen. Für mich waren diese Menschen immer die, die sich beschwerten und sich "die Vertriebenen" nannten. Außerdem wollen sie immer Geld und Entschädigung.
Auch ist dieses Thema sehr heikel und man kann anderen Menschen schnell "auf den Schlips treten". Aber ich denke man sollte sich damit befassen, wenn man in der Slowakei lebt.
Ich konnte aber nicht glauben, dass das wirklich der Wahrheit entspricht und habe nun Informationen gesucht, um zu erfahren wie es wirklich war. Natürlich ist alles wieder mit meiner eigene Meinung gespickt, aber ich bin gerne zu vernünftigen Gesprächen bereit.
Ich muß etwas in der Geschichte zurück gehen, um die Ursprünge frei zu legen. Zur Zeit von Stephan I., König von Ungarn (1000-1038) wurden Menschen aus anderen Ländern ins eigene Land geholt. Sie waren Handwerker, Bergarbeiter, Ritter usw. Damals hat man sie gebraucht und ihnen versprochen, dass sie ihrer Sitten und Gebräuche weiterführen können wie in der Heimat.
Ich habe bewußt den Begriff "Menschen" gewählt und nicht "Deutsche". Denn damals gab es Deutschland noch nicht. Diese Menschen waren hauptsächlich Sachsen und Schwaben.
Sie haben sich in der Slowakei gut eingelebt und bekamen hier nicht nur ihre Kinder, sondern sie fanden hier eine Heimat und pflegten ihre Traditionen und Sitten.
Auch Bratislava (Pressburg) soll eine deutschsprachige Mehrheit gehabt haben.
Ich frage mich, ob die Menschen sich damals wirklich zuhause gefühlt haben - wenn, dann sicher erst nach einigen Generationen.
Eigentlich ging es immer so weiter. Andere Völker wurden aufgrund ihrer Fähigkeiten ins Land geholt. Ich wage es mal mit heutzutage zu vergleichen. Türken und andere Mitbürger haben wir auch ins Land geholt, weil wir sie brauchten. Sie haben ihre Familien gegründet und sich nieder gelassen.
Aber zurück zum Thema.
Als die Slowakei zur Tschechei kam, mußte die Slowakei sich "unterordnen". Ich sage es mal so: die Tschechen sahen eine Möglichkeit, die Deutschen zu vertreiben. Mittlerweile war ja sowieso der 2. Weltkrieg ausgebrochen und da wurde ja überall gemordet. Es kam also zu Massenmorden, Verschleppung und Vertreibung. Auch diejenigen, die nach Deutschland zurück kamen wurden in Flüchtlingslager verwiesen, da es ja im ausgebombten Deutschland keine Wohnungen gab. Also war man wieder ein Fremder, denn die damalige Generation war ja in der Slowakei geboren.
In Deutschland mußte man wieder von vorne anfangen. Man war ein Fremder im "eigenen Land". Aufgrund dieses Hintergrundes kann ich verstehen, dass sich die heutigen Karpatendeutschen ungerecht behandelt fühlen, da sie aus dem eigenen Land vertrieben wurden.
Aber die Slowakei ist nicht IHR Land. Die Arbeiter wurden als Gäste ins Land geholt und das galt meiner Meinung nach auch für die nachfolgenden Generationen. Und es ist klar, dass auch der beliebteste Gast irgendwann mal gehen muß. Die Art und Weise wie es passiert ist, ist unverantwortlich, aber es ist nun mal so passiert.
Heutzutage sind die Karpatendeutschen sehr aktiv, haben Vereine und bekommen von allen Ecken finanzielle Unterstützung.
Meine Meinung:
Ich finde es ja wirklich schlimm, was damals mit den Karpatendeutschen passiert ist. Es ist grausam gewesen und ich hoffe, dass sowas niemals mit irgendeinem Volk passieren muß.
Aber heutzutage sieht die Welt anders aus. Die Slowakei gehört den Slowaken. Man spricht slowakisch und die Städte und Dörfer haben slowakische Namen. Die Tradition ist slowakisch und man hat auch slowakische Sitten.
Ich habe den Eindruck, dass viele Karpatendeutsche das nicht verstehen. Man versucht die Slowakei immer noch als "teilweise Deutsch" zu sehen und ihr das auch aufzudrängen. Man redet über Pressburg und nicht über Bratislava, man redet über Neutra und nicht über Nitra. Solche Beispiele gibt es zu tausend.
Wenn man mit Karpatendeutschen spricht, dann reden sie immer davon, was sie alles hier gemacht haben, was sie erreicht haben und was alles ihnen gehört (das habe ich selber persönlich gehört). Ich persönlich kann das nicht verstehen. Für einen außenstehenden wie mich klingt das wirklich nach "Jammerei".
Die Generationen, die wirklich vertrieben wurden sind bald "ausgestorben" und irgendwann wird sich keiner mehr dafür ernsthaft interessieren. Da hilft auch keine Nachwuchsarbeit mehr. Man schürt nur Schuldgefühle, die absolut unangebracht sind.
Als Fazit frage ich mich wirklich: Was will man erreichen ? Geht es um Geld oder wirklich um respektvolle Erinnerung ?
Vielleicht kann mir einer diese Frage mal ernsthaft beantworten.
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