Schockarten


Definition:
akuter Sauerstoffmangel in allen lebenswichtigen Organen. Ursache ist eine Minderdurchblutung der kapillären Strombahn.

Schockformen:


1. hypovolämischer Schock
2. kardiogener Schock
3. septischer Schock
4. anaphylaktischer Schock
5. hypoglykämischer Schock
6. neurogener Schock


Jeder dieser Schockformen bedeutet höchste Lebensgefahr. Man muß in der Lage sein, ihn sofort zu erkennen und entsprechend zu handeln.

Pathophysiologie:
Wenn es zu einer tatsächlichen oder relativen Verringerung des blutvolumens kommt, versucht der Körper zuerst, Speicherblut zu mobilisieren und die Herzleistung zu steigern.
Es kommt zu einer Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin. Dadurch verengen sich die Gefäße sehr stark und die Herzfrequenz steigt..
Dadurch entsteht eine Umverteilung der zirkulierenden Restblutmenge aus nicht unmittelbar lebensnotwendigen Organen und Körperregionen wie Haut, Ma-Da-Trakt, Arme, Beine, zugunsten von der lebenswichtigen Organe Gehirn, Herz und Lunge.
Das nennt man Kreislaufzentralisation.

Einige Organsysteme, z.B. Muskeln, Ma-Da-Trakt und Nieren kommen auch kurze Zeit ohne Sauerstoffversorgung aus.
Sie gewinnen über anaerobe Glykolyse Energie.
Dabei fallen jedoch saure Stoffwechselprodukte an, wie z.B. Laktat (Milchsäure). Daraufhin sinkt der ph-Wert des Blutes und es kommt zu einer metabilischen Azidose. Die bewirkt eine Weitstellung der Gefäße und hebt die Kreislaufzentralisation wieder auf.
Die Arteriolen erweitern sich früher als die Venolen. Es kommt deshalb zu einem erheblichen Blutstau in den Kapillaren.
Flüssigkeit gelangt ins Gewebe und das Blut "verdickt" sich (Schlammbildung - Sludge-Phänomen).
Das Gehirn leidet mittlerweile unter massivem Sauerstoffmangel. Die Ischämietoleranz des Gehirns beträgt nur 3 Minuten.
Die Nieren und Lungen sind durch den Zusammenbruch des Stoffwechsels stark gefährdet. Es besteht Lebensgefahr.
Der Patient kann am Schocklungensyndrom sterben. Das ist ein akutes Lungenversagen, das durch eine Schädigung der Membranen zwischen Alveolen und Lungenkapillaren entsteht. Oder an der Schockniere, das ist ein akutes Nierenversagen, das durch die Minderdurchblutung entsteht.
Bei manchen Patienten entwickelt sich auch ein akutes Gesschwür, meist im Magen. Es handelt sich um ein sogenanntes "Streßulkus". Es kann lebensbedrohliche Blutungen verursachen.


Schockformen:

Hypovolämischer Schock:

Durch eine Verminderung der zirkulierenden Blutmenge. Z.B. durch Blutverlust von mehr als 10% des Gesamtblutvolumens, sowie durch andere Plasma- oder Flüssigkeitsverluste (Verbrennungen, Durchfall, Erbrechen, Pankreatitis)

Symptome:
leere, kollabierte Halsvenen und starker Durst.
In der Anamnese stoßen wir auf Traumata oder Organblutungen, oder Flüssigkeitsverluste z.B. durch Durchfall ( ! Cholera ! )


Erstmaßnahme:
Oberkörperhochlagerung bei Blutungen im Bereich von Kopf, Lunge und oberem Ma-Da-Trakt, Vulumen zuführen 100-1500 ml Kochsalzlösung mit maximaler Tropfgeschwindigkeit, Notarzt, Sauerstoffgabe, Kontrolle Vitalzeichen.

Kardiogener Schock:


Es liegt eine akut stark verringerte Pumpleistung des Herzens zugrunde. Z.B. bei Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen, entzündliche Herzerkrankungen, Lungenembolie.

Symptome:
Patient sitzt und ringt nach Luft.
Brodelnde Atemgeräusche, Halsvenenstauung, Beinödeme. In der Anamnese stoßen wir auf KHK oder Herzinsuffizienz.
Es kann auch eine Lungenembolie vorliegen, aufgrund tiefer Venenthrombose.


Erstmaßnahme:
Oberkörperhochlagerung, Notarzt, Sauerstoffgabe, Vitalzeichenkontrolle
!!!KEINE VOLUMENZUFUHR !!


Septischer Schock:

Bei schweren bakteriellen Infektionen, wenn die Freisetzung von Bakterientoxinen zu einer Gefäßweitstellung und damit zu Flüssigkeitsmangel in den Gefäßen führt.
Kommt vor bei Infektionen der ableitenden Harnwege, Gallenwegsinfektionen, Peritonitis, Pneumonie. Gefährdet sind Pat. mit Abwehrschwäche.


Symptome:
Hohes Fieber mit Schüttelfrost. Einblutungen in Haut durch Gerinnungsstörung. Pat. sieht gesünder aus, als er ist.

Erstmaßnahme:
Schocklage, Notarzt, Volumen zuführen, Sauerstoff, Vitalzeichenkontrolle

Anaphylaktischer Schock:

Schwerste Form einer allergischen Reaktion.
Die enorme Histaminfreisetzung führt zu einer Gefäßweitstellung mit relativem Flüssigkeitsmangel und RR-Abfall. Das HMV nimmt ab, die Bronchien verengen sich.
Im Extremfall verstirbt der Patient innerhalb weniger Minuten an Herz- Atemstillstand.
Ursächlich sind Medikamente (Penicillin kommt oft vor. Bei uns ist es Procain und andere Neuraltherapeutica) und Gifte.
Besonders Patienten mit erhöhter Allergiebereitschaft sind gefährdet (Neurodermitis, Heuschnupfen,..)


Symptome: Sehr schnell nach Allergenkontakt (Injektion, Einatmung,...) zu Unruhe, Juckreiz, Niesen, Quaddelbildung.
Vertigo, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Schüttelfrost, Angst, Luftnot. Bronchospasmus und Kehlkopfödem.


Erstmaßnahme:
Schocklage, Notarzt, Volumen zuführen, Sauerstoff, Vitalzeichenkontrolle.

Hypoglykämischer Schock:

Durch Entgleisung des Kohlehydratstoffwechsels.
Meist sind Diabetiker betroffen.
Durch den rapiden Abfall der Blutzuckerwerte kommt es zu Funktionsstörungen im ZNS und dadurch zur Fehlregulierung. Ein Anstieg des ph-Wertes führt zur Weitstellung der Gefäße.


Symptome:
Anamnese beachten. Unruhe, Heißhunger, Zittern, schweißig-feuchte Haut, Tachykardie, Agressivität.

Später kommt es zu Müdigkeit, Sehstörungen, Verwirrtheit, Bewußtheitsstörungen.
Es kann zu Krampfanfällen und gesteigerten Reflexen kommen.


Erstmaßnahme:
Schocklage, Notarzt, sofortige Gabe von 40%-iger Glucoselösung (30-50 ml),
Sauerstoff, Vitalzeichenkontrolle.


Neurogener Schock

Vorkommen bei Hirnstamm- oder Rückenmarkstraumen. Auch bei Vergiftungen mit verschiedenen Schlaf- oder Beruhigungsmitteln.
Durch die Störung des Gewäßwiderstandes kommt es zur plötzlichen Erschlaffung der Gefäßmuskulatur. Flüssigkeitsmangel.


Symptome:
Anamnese, die Haut ist warm-schweißig, Bewußtseinstrübung.

Erstmaßnahme:
Bei traumatisch bedingtem Schock flache Rückenlage.
Ansonsten Schocklage, Notarzt, Volumen zuführen, Sauerstoff, Vitalzeichenkontrolle.


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