Unser zweiter Tag in Rom


Um 8.30 Uhr klingelte der Wecker und es hieß aufstehen. Schnell angezogen, Duschen und dann zum Frühstück. Das Frühstücksbuffet in dem Hotel war eine Enttäuschung. Ok, es war zweckmäßig, aber nicht das, was wir von Hotels der Accor-Gruppe (wo auch das Novotel zugehört) gewohnt sind.
Es gab kleine trockene Brötchen, eine Sorte Käse, eine Sorte Schinken und zwei Sorten Marmelade. Und das in einem Land, wo Essen und Genießen doch eigentlich seinen Ursprung hat.
Der Kaffee ließ dann das kalte Grausen über uns kommen und ich freute mich schon auf einen richtigen Cappucino in der Stadt. Nebenbei fragte ich mich, ob italienische Frauen immer so grimmig gucken. Das vergrault ja die Gäste.
Naja, auf jeden Fall ist Ulli dann zu Tee gewechselt und ich habe drauf verzichtet.
Später habe ich dann gelesen, dass die Italiener nicht so ausgiebig Frühstücken und unser Frühstücksbuffet normaler Landesstandart war.

Nun gut. Wir gingen dann auch bald los. Bis zur Bushaltestelle waren es ein paar Minuten zu Fuß. Am Bus haben wir dann festgestellt, dass hier keine Tickets verkauft werden. Noch nichtmal der Busfahrer konnte uns sagen, wo wir denn nun Tickets kriegen würden. Mir hats ja schon wieder fast gereicht. Wir mußten also zum Hotel zurück laufen. Ich stapfte laut schimpfend hinter Ulli her. Er konnte ja auch nix dafür, aber mir hat das schon wieder gereicht. Erst kein richtiges Frühstück, dann die schlecht gelaunten Gesichter des Buffet-Personals und dann noch kein Ticket. Na toller Anfang.

Im Hotel hat Ulli dann Tickets besorgt und wir fuhren zur Metro. Dort kauften wir dann Tagestickets, damit wir unabhängiger waren. Man kann nämlich in keinem Bus Tickets kaufen. Diese Tagestickets kosten 3 Euro.

Als erstes fuhren wir wieder zu "Spagna". Dort an der spanischen Treppe wollten wir nochmal ein paar Fotos machen.
Also rauf auf die Treppe zwischen die ganzen anderen fotografierenden Touris gestellt *lach* und freundlich lächeln. Die spanische Treppe hat mich bei Tageslicht auch nicht irgendwie weiter beeindruckt.
Ich kam zu dem Schluß, dass unbedingt ein Reiseführer her muß. In Österreich habe ich keinen mehr bekommen. Ich kann nicht einfach durch die Gegend laufen, fotografieren ohne zu wissen, was ich dort sehe. Also suchten wir erstmal einen Buchladen und dann sollte die "Fontana di Trevi" unser nächstes Ziel sein.
Der Buchladen war schnell gefunden und auch ein Marco-Polo von Rom. Jetzt konnte es losgehen. Nachdem ich Ulli und mich ein paarmal im Kreis gelotst hatte, kamen wir dann auch gemeinsam irgendwann auf dem "Piazza Colonna" (Kölner Platz nannte ich ihn) an. Dort erwartet uns eine riesige Säule. Die Mark-Aurel-Säule. Die wurde mal wieder aus Anlass eines Sieges 176 n.Chr. errichtet.
Auf dem Platz ist man dann auch schon fast im politischen Zentrum Roms. Der Sitz des Ministerpräsidenten liegt an dem Platz und in der Nähe tagt auch das Parlament. Witzig ist, dass die ganzen Häuser dort mit unterirdischen Gängen verbunden sind. Die Politiker (die hoffentlich ehrlicher werden *lach*) können dann heimlich vor Presse usw. flüchten.
Wir verließen dann den Platz und gingen durch kleine Gassen zum berühmten Brunnen. Fontana di Trevi.
Fontana di Trevi Man biegt einfach um die Ecke und schon ist er vor einem. Er erscheint einfach aus dem nichts. Unglaublich. Ein kleiner Platz zwischen hohen Häusern und Baugerüsten. Hier hätte ich ihn niemals erwartet.
Gebaut hat man ihn 1750. Die Päpste haben sich damit selber ein Denkmal gesetzt. Sie haben ihn praktisch einfach an die Hauswand aufgesetzt.
Der Meeresgott Ozeanus braust mit zwei Pferden durch einen Triumphbogen.
Und ganz vorne, das bin ich *grins*
Übrigens haben wir kein Geld in den Brunnen geworfen. Weil ich glaube, dass ich wieder nach Rom fahren werde, wenn ich Lust habe und das das nicht abhängig ist von der Münze, die ich mit Tausend Touris ins Wasser werfe. --Bin ich unromantisch ?
Ein Blick vom Brunnen auf die Touristenschar. Man wirft hier eine Münze in den Brunnen, um eines Tages nach Rom zurückzukehren. Das ist eigentlich verboten und man findet hier auch einen Polizisten in schicker Uniform, der ab und zu mit der Trillerpfeife pfeift, wenn er jemanden dabei erwischt. Aber in Wirklichkeit ist das nur Show. Das Geld wird Abends von städtischen Angestellten aus dem Brunnen gefischt und wandert ins Staats-Sackerl. Habe eine Reportage darüber gesehen.
Hier am Brunnen haben wir dann auch in einer Eisdiele ein Eis gekauft. Hier in Rom zahlt man nicht für "Bällchen oder Kugeln". Das Eis wird mit einer "Schaufel" auf die Tüte getan. Es gibt in Wien übrigens eine super leckere Eisdiele, wo es auch so gemacht wird. Dank unseren östereichischen Freunden (*bussi*) durften wir also schonmal vor unserem Rombesuch "echtes" Eis essen.

Nachdem wir unser Eis fertig gegessen hatten, haben wir uns weiter auf den Weg gemacht. Durch enge Gassen vorbei an dem Kaffee, wo schon Goethe einkehrte, bewunderten wir die alten Häuser und stellten uns Cäser und die Gallier vor und damals, als Asterix Rom eroberte ;-).
Jetzt wurde es aber Zeit für einen richtigen Kaffee. Die nächste Eisdiele war unsere und beim Anblick dieser Eistheke schlägt sicher nicht nur mein Eisesser-Herz höher.
Frisch gestärkt mit Cappucino wurden wir übermütig. Jetzt mußte was Richtiges her. Richtige Kultur, alte Steine und römische Geschichte.
Wir wollten zum Colosseum !
Auf dem Weg dorthin kamen wir auch am "Palazzo del Quirinale" vorbei. Wieder ein Papst-Gebäude. Im 15 Jahrhundert war das ein Sommersitz. Leider konnten wir nicht rein. Die Barockgärten sollen ja umwerfend sein. Hier residiert heutzutage der Staatspräsident und das Volk darf nur am "Tag der Republik", 2. Juni, die Gärten besuchen.
Weil der Vorplatz so schön war und der Ausblick von unten so beeindruckent habe ich dieses Foto gemacht. Auf die Frage, was die alten Römer unter dem Feigenblatt trugen bekam ich aber wieder keine Antwort.
Wir orientierten uns am Reiseführer und es ging weiter Richtung Colosseum. Vorbei am Augustusforum und durch mehrere kleine Gassen.
Dann eröffnete sich vor uns ein sehr belebter Platz. Komisch, wie wußten nun gar nicht mehr, wo wir waren. Wie gut, dass wir den Reiseführer hatten. Dort erkannten wir schnell, dass wir genau richtig waren.
Vor uns erschien in ganzer Pracht das "Monumente a Vittorio Emanuele".

Im Informationszentrum des Momumente a Vottorio Emanuele gingen wir dann auf Toilette und tranken einen Kaffee um unseren weiteren Weg zu planen. Wir einigten uns auf das Colosseum und wollten morgen ins Monumente gehen. Vorher machten wir noch ein Foto vom Modell des Momumente.
An dieser Anlage trafen wir auch auf diese 3 Herren. War ganz lustig. Sie sind dazu da, um mit Touristen Fotos zu machen. Wir überließen diesen Spaß den Japanern und gingen weiter.
Hinter der Anlage mußte das Forum Romanum sein und direkt dahinter das Colosseum. Also gings los. Wir gingen die "Via dei Fori Imperali" entlant und hatten einen tollen Blick auf das Forum Romanum. Ich wollte es mir auf keinen Fall entgehen lassen. Wo ich doch ein begeisterter Römer-Anhänger war und von dieser Zeit damals einfach fasziniert. Aber erst war das Colosseum dran.

Bevor wir aber weitergingen, besuchten wir vorher noch das Touristeninformationszentrum. Diese Zentren gibt es in Rom immer wieder und sind ein guter Platz um auszuruhen, zur Toilette zu gehen und einen neuen Stadtplan (weil der eigene schon ganz zerknittert ist vom vielen Falten) zu besorgen.
Hier bin ich mit einer Büste von Cäsar und neben mir ist Augustus.
Und da ist es. Vom Weiten konnten wir diesen prächtigen Bau schon sehen. Es ist beeindruckend. Schade, dass es inmitten des Verkehrs fast zugrunde geht. Die Abgase nagen nicht nur am Colosseum, sonder an allen alten Gemäuern.
Wir machten das notwendige Colosseum-Foto *lach*. Dann wollten wir uns dieses Gebäude auch von innen ansehen und suchten den Eingang. Wir gingen vorbei an verkleideten Römern, fotografierenden Japanern und fliegenden Händlern, die Taschen und andere Dinge anboten. Wir fühlten uns fast schon wie in Ägypten :-).
Was uns vor dem Colosseum erwartete war wirklich krass. Eine ewig lange Schlange stand vor der Kasse. Der Eintritt kostet 8 Euro und es wird übrgens 1 Stunde vor Sonnenuntergang geschlossen (diese Sonnenuntergang-Regel gilt auch für viele andere Sehenswürdigkeiten).
Wir entschlossen uns, das Colosseum nicht von innen anzugucken und gingen weiter. Warfen einen Blick auf den Triumphbogen von Kaiser Konstantin (312 n. Chr.) und gingen einen Weg in Richtung des Forum Romanum.
Dieser Weg war schon fast eine Handelsstrecke aus dem alten Rom. Links und rechts gab es Händler und die Haupthandelsware waren Taschen (Prada, Cerutti, usw.). Übrigens, diese Taschen sind alle eine Fälschung. Es wird nur das Markenetikett drauf genäht und ähnlich geschneidert. Wer aber wohl die Verwandschaft zuhause beeindrucken will, kann ruhig zuschlagen *lach*. Ein "Unwissender" wird sicher staunen.
Wir ließen uns aber nicht bequatschen (hatten ja noch Übung aus Ägypten *grins*) und landeten tatsächlich im Forum Romanum. Das Forum war im alten Rom das Machtzentrum. Hier war die Steuerzentrale. Es gab Tempel, Triumphbögen, Basiliken usw.
Im Forum haben wir ein paar sehr beeindruckende Fotos geschossen. Wenn man die Fantasie spielen läßt, dann sieht man die Bewohner, hört die Säbel rasseln und sieht das Treiben auf den Straßen.
Das einzige, was stört sind die ganzen Touristen, die keinen Anstand vor den Gräbern und keinen Respekt vor der Kultur haben.
Warscheinlich ist es am Besten, wenn man die Chance nutzt und dieses Forum bei Nacht erlebt. Es heißt dann "Roma sotto le stelle" (Rom unter den Sternen). Die Führungen sind auf Italienisch und Englisch und finden von Juni bis September statt. Am Besten man informiert sich in der Tourisen-Information
Im Forum befindet sich auch das Grab von Romulus. Der Lapis Niger, der schwarze Stein, befindet sich direkt darüber. Wir mußten etwas suchen. Wenn man keine Führung macht, oder sich nicht auskennt, läuft man sehr schnell dran vorbei.
Der Stein ist in die Erde eingelassen (auf dem Bild hinten). Es ist nicht der Stein auf dem Podest neben dem Triumphbogen. Wenn man genau hinguckt, kann man ein Schild an der Treppe erkennen, die herunter führt (auf dem Bild vorne). Leider war das Tor verschlossen.
Durch den Triumphbogen des Septimius Severus verläßt man das Forum. Wenn man rechts die Treppe am Ausgang nimmt, kommt man direkt auf das Momumente. Der Eintritt zum Forum Romanum ist übrigens kostenlos, nur innerhalb kann man eine Besichtigung machen, die etwas kostet, aber bei unserem Besuch war es schon geschlossen. Das Gelände wird ebenfalls eine Stunde vor Sonnenuntergang geschlossen.
Oben an der Treppe steht eine Säule und auf der sieht man Rumus und Remulus. Sie werden gesäugt von der Wölfin - Rom ist gegründet.
Diese Säule haben wir nur durch Zufall entdeckt, auch in unserem Reiseführer konnte man nichts darüber lesen. Da sieht man mal, dass das das erste Motto in Rom lautet: "Augen auf !" An jeder Ecke kann man was entdecken.
Oben am Kapitol waren wir schon ziemlich fertig. Die Füße taten weh und der erste beste Stein wurde zu einem super bequemen Sessel *lach*.
Von der Stelle hatte ich einen tollen Blick auf die Statue von Kaiser Mark Aurel. Man merkt nicht, dass es das eine Kopie ist. Das Original steht im Museum. Die Abgase haben ihm ziemlich zugesetzt.
So langsam wurde es auch Dämmrig. Wir stiegen dann ganz nach oben und da merkten wir erstmal die Ausmaße dieses Bauwerks. Man hat einen wunderbaren Ausblick auf Rom.
Während die Sonne unterging wurden wir auch schon vom Sicherheitspersonal verscheucht. Das ist unheimlich schade, aber ich vermute sie machen das, damit sich in der Dunkelheit keiner hinter Säulen usw. verstecken kann. Auf jeden Fall ist das sehr nervig, ständig wird man unfreundlich bequatscht.
Wir gingen nach dem Abstieg vom Monumente zur Metrostation am Colosseum. Wir waren fix und fertig. Meine Füße taten total weh und eigentlich wollte ich nur sitzen.
Wir beschlossen zum Termini (Bahnhof) zu fahren, und dort ein nettes Lokal zu suchen.
Der nächtliche Blick auf das Colosseum ließ dann aber die schmerzenden Füße kurz vergessen.
In der Metro hatten wir dann noch eine Schreckminute. Es war ein ziemliches Gedränge. Ulli stand links von mir. In der Metro von Rom ist es wichtig, dass man schnell aussteigt, wenn sie hält. Die U-Bahnfahrer fahren wie die Henker.
Also, die U-Bahn hat angehalten und zwischen mir und Ulli wollte sich jemand drängen. Weil ich aber stur bin und mich nicht gerne wegdrängeln lasse (und schon gar nicht von der Seite meines Mannes), habe ich mich wieder reingedrückt und was sehe ich ? Dieser Idiot hatte seine Hand in Ullis Fototasche. Ich habe dann geistesgegenwärtig zugegriffen. Der Typ hat seine Hand rausgezogen und war sofort weg.
Zum Glück hat nichts gefehlt. Den Fotoapparat hatte Ulli zum Glück um den Hals und in der Fototasche war "nur" die Festplatte für die Bilder und die war zum Glück noch da.

Für den nächsten Tag haben wir beschlossen, noch besser aufzupassen, den Rucksack mitzunehmen und ihn abzuschließen.
Die Warnungen der Stadt sollte man wirklich ernstnehmen.
Unsere Idee, den Rucksack mit einem Zahlenschloss zu sichern war einfach genial. Sehr gerne geben wir den Tipp hier weiter. Bei Tchibo kriegt man günstig und gut Zahlenschlösser.
Wir fuhren dann also zum Termini. Auf diesen Schreck brauchten wir erstmal einen Rotwein. Der Bahnhof von Rom soll einer der schlimmsten Chaosbahnhöfe Europas, aber auch der schönste in ganz Europa sein. Das wollten wir nun aber wissen und wir guckten ihn uns ganz genau an.
Aufgefallen ist uns, dass der Bahnhof sehr gepflegt und sauber war.
Der Bahnhof (gebaut 1950) zeichnet sich durch die Bahnhofshalle aus. Der lichtdurchflutete Vorbau (sieht man auf dem Foto jetzt nicht, weil wir es ja am Abend gemacht haben) gleitet wie eine Welle aus Glas und Marmor zum Piazza Cinquecento.
Der Piazza Cinquecento ist ein typischer Bahnhofsvorplatz. Busse halten dort und Menschen laufen umher. Die Straße davor ist eine der meistbefahrenen und dadurch auch lebensgefährlich. Rote und grüne Ampeln sind für Italiener eher eine "Empfehlung". Dran halten tut sich aber keiner.
Aber nochmal zurück zu dem Platz. Auf dem Platz stehen einige Bäume. Das Naturschauspiel, was dort stattfindet findet man auch in keinem Reiseführer. In den Bäumen sind tausende von Amseln. Sie fliegen in Formationen umher und zwischern und pfeifen unheimlich laut. In der Dämmerung kann man sie fliegen sehen und ich würde empfehlen, sich das anzugucken. Es ist einfach gigantisch. Leider konnten wir keine Fotos machen. Es war einfach zu dunkel.
Wir gingen dann todesmutig über die Straße (linker Hand) und dort gibt es einige Tavernen. In der letzten auf der linken Seite haben wir uns dann häuslich eingerichtet. Erstmal ein kühles Bierchen und dann haben wir dort gesessen, gequatscht und das gute Essen genossen. Einfach herrlich. Das ist Urlaub.

Wir planten den nächsten Tag, wo wir zum Vatikan wollten.
Irgendwann fuhren wir zurück zum Hotel und sind todmüde ins Bett gefallen. Die Füße brannten und die Eindrücke des Tages ließen uns schnell einschlafen.


Anreise Nächster Tag